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Quelle:     WZ - Düsseldorfer Stadtteile - 24.03.2007
 

Der Retter vom Unterbacher See

Seit 20 Jahren hat Wulf Jenkner sich dem Schutz des Unterbacher Sees verschrieben.
Foto: Bernd Schaller
 

UNTERBACH Vor genau 20 Jahren wurde ein Verein zur Rettung des Naherholungsgebiets gegründet. Heute kümmert er sich mehr um Naturschutz.

Das Gespräch führte Angela Everts
 
Genau heute vor 20 Jahren wurde der Verein "Rettet unser Naherholungsgebiet Unterbacher See/ Eller Forst" gegründet. Damals machte er durch massive Proteste auf sich aufmerksam - derzeit sammelt er eher Spenden. Morgen wird im Gemeindesaal an der Schlossallee in Eller gefeiert. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Wolf Jenkner über alte und neue Aufgaben des Vereins.

Mehr als 400 Menschen kamen zur Vereinsgründung im März 1987 zur Gründungsversammlung, Was hatte die Bürger so aufgebracht?
Jenkner:
Am Anfang standen einige politisch aufregende Jahre. So hatte im Juni 1984 der Rat beschlossen, den Containerbahnhof Bilk in den Hafen oder das Reisholzer Industriegebiet zu verlagern - eine eigentlich sinnvolle Entscheidung. Später sickerte durch, dass die Bahn lieber an der Gleisstrecke Eller bauen würde, dort, wo die Verbindung zwischen Gleisen und A 46 am kürzesten ist. Also mitten im Wasserschutzgebiet und einen Steinwurf vom Südstrand entfernt. Was die Baumaßnahme so brisant machte, war die Tatsache, dass in 40 Prozent der umgeladenen Container Gefahrgüter lagerten.

Ist denn die Gefahrensituation niemandem sonst aufgefallen?
Jenkner:
Das Problem war, dass die DUSS (Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene/Straße) an den Standorten Hafen und Reisholz keinen Gefallen fand. Und so versuchte sie Bilk und Eller gegeneinander auszuspielen. Der Bahnhof Eller wurde zwar vom damals rot-grün dominierten Rat abgelehnt, im September 1986 sogar ein unabhängiges Standortgutachten in Auftrag gegeben. Derweil drohte aber die DUSS den Standort Bilk auszubauen und damit die Ratsmehrheit zu kippen. Da wurde uns klar, dass über die politische Schiene allein nichts erreicht werden konnte.

"Am bedrohlichsten war die Feststellung,
dass im Falle eines Unfalls giftige Gase
auf den Badestrand treiben würden"

Wulf Jenkner, Vereins-Vorsitzender

Wie ist denn der Streit um den Containerbahnhof ausgegangen?
Jenkner:
Bekanntlich wanderte der Umschlagplatz in den Hafen. Ein Grund dafür war das vernichtende Umweltgutachten. Am bedrohlichsten war die Feststellung, dass im Falle eines Unfalls die giftigen Gase auf den nahegelegenen Badestrand und den See treiben würden. Ungeachtet dieser Argumente plante die Bahn zwar noch einige Jahre weiter, 1994 kam aber im Rat das endgültige Aus.

Damit hat sich ja eigentlich der Zweck ihres Vereins erfüllt. Warum blieb er weiter bestehen?
Jenkner:
Wir verstehen uns als Lobby für die Natur. Zwischenzeitlich haben wir zwar überlegt, den Verein in eine Stiftung umzuwandeln, aber dann wurden Pläne bekannt, zehn Hektar Wald im Naturschutzgebiet am Dreiecksweiher für die weitere Auskiesung zu opfern. Einzelne hätten das nicht verhindern können. Als Verein drohten wir mit einer langwierigen Verbandsklage, sodass diese Pläne beerdigt wurden.

Und wie sieht die Zukunft aus?
Jenkner:
Zunächst feiern, wir erst einmal Geburtstag. Aber wir werden weiter wachsam bleiben. Ein Problem könnte die L 404n werden, auch wenn alle Planer bisher heilige Eide schwören, dass die Rothenbergstraße nicht ausgebaut wird. Aber wenn die L 404 vierspurig ausgebaut werden sollte, sitzen, wir wieder in den Baumkronen - selbst wenn wir vorher unsere Krücken davor abstellen müssen.

Apropos Krücken. Wie viele Mitglieder hat ihr Verein heute?
Jenkner:
So groß wie einst sind wir natürlich nicht mehr. Die Mitgliederzahl hat sich auf 200 eingependelt und besteht aus Umweltschützern und Leuten fürs Grobe wie mich. Im Moment sind wir mehr Förderverein als Widerstandsgruppe. Wir haben vor acht Jahren am Elbsee für 100 000 Mark einen Beobachtungsturm aufgestellt und am Südstrand für 16000 Euro eine Seilkletteranlage.

WOLF JENKNER
LEBEN Wolf Jenkner wurde am 11. November 1940 in Schlesien geboren. Er wuchs in Unterbach auf, wo er auch heute lebt. Er ist verheiratet und hat drei Töchter. Der Jurist arbeitete bis zur Pensionierung im NRW-Wissenschaftsministerium.

POLITIK Über die Friedensbewegung kam Jenkner zu den Grünen. Von 1984 bis 1989 war er Ratsherr. Seit 1987 ist er Vorsitzender des Vereins.

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