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Quelle:     Rheinische Post - Düsseldorfer Stadtpost - 18.12.2007
 

"Nur nicht den Helden spielen"

Einbrecher haben eine 90-jährige in ihrem Haus in Unterbach aus dem Schlaf gerissen, die Seniorin und ihre Hausdame bedroht und ausgeraubt. Die Frauen reagierten richtig, sagt die Kriminalpolizei.

VON STEFANI GEILHAUSEN
 
Aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, die Augen zu öffnen und ins maskierte Gesicht eines Fremden zu blicken - für Georg Schimmelpfennig gibt es "kaum eine schlimmere Art, Opfer eines Verbrechens zu werden." Der erfahrene Polizist weiß, dass Überfälle wie der auf die 91-jährige Unterbacherin am Wochenende "die absolute Ausnahme" sind. Aber wenn es geschieht,"brauchen die Opfer professionelle Hilfe. So etwas traumatisiert."
Die Seniorin, die in der Nacht zum Samstag in ihrem Haus von Unbekannten bedroht und gezwungen worden war, ihren Tresor zu öffnen, die gefesselt wurde und mitansehen musste, wie die Räuber ihre Haushälterin schlugen, will keine Hilfe. Sie redet mit Freunden und Bekannten über das Erlebte und übt sich in Gelassenheit: "Ich kann ja sowieso nichts mehr dran ändern." Vielleicht, sagt ein Vertrauter,"liegt das daran, dass sie immer schon ein sehr positiv denkender Mensch war."
Fenstergitter überflüssig
Für ihre Sicherheit allerdings hat die Seniorin jetzt nachgerüstet. Ein Wachdienst passt auf das Haus auf, Videokameras wurden installiert. Für Schimmelpfennig, der im Polizeipräsidium für Vorbeugung zuständig ist, die richtige Entscheidung. "Jeder Zugang zum Haus sollte gesichert sein. Wenn jemand versucht, einzudringen, muss er dazu gezwungen sein, Lärm zu machen - so dass man ihn bemerkt." Moderne Technik macht dabei hohe Mauern und Gitter vor den Fenstern überflüssig. "Man kann sein Haus sichern, ohne sich deshalb einmauern zu müssen", so Schimmelpfennig.
Gefährdet sind vor allem Bewohner von freistehenden Häusern in den so genannten besseren Wohngegenden. Unterbach, aber auch nördliche Stadtteile wie Lohausen und das nahe Meerbusch sind auch bei Einbrechern beliebt. "Dort erwarten sie reichlich Beute - und haben es nicht weit, um über die Autobahn zu entkommen." Das sind die Kriterien, nach denen vermutlich auch das Haus der alten Dame in Unterbach von den Räubern ausgewählt wurde, "Ein solcher Überfall verletzt zwar massiv die Intimsphäre des Opfers - aber er ist nicht persönlich gemeint."
Dem Einbrecher gehe es ausschließlich um zwei Dinge: Beute und unerkanntes Entkommen. Deshalb, sagt der Polizist, sollte man auch keinesfalls versuchen, diese Ziele zu verhindern, wenn man denn von einem Verbrecher bedroht wird. "Niemals den Helden spielen - materielle Verluste sind ersetzbar, aber ein Täter, der in Panik gerät, ist eine Gefahr für Leben und Gesundheit."
Erstes Gebot bei einem Überfall, wie ihn die Unterbacherin erlebte;"Ruhe bewahren".Aber wie tut man das, wenn ein zwei Maskierte mit Waffen vor dem eigenen Bett stehen? Schimmelpfennig Weiß, dass wohl niemand dann ruhig und besonnen handelt. Aber: "Man ist dann vermutlich vor Angst wie gelähmt. Und kann deshalb auch nicht falsch reagieren."
INFO
Rat und Hilfe
In der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, Luisenstraße 2, geben Experten individuelle Tipps für die technische Sicherung von Haus oder Wohnung. Ihr Rat ist gratis und ohne Kaufzwang, Hausbesuche möglich. Tel.: 870 6832
Die Opferschutzbeauftragte der Polizei vermittelt Verbrechensopfern Hilfe von finanzieller Unterstützung bis zur psychologischer Betreuung. Tel.: 870 6832
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