| Quelle: Rheinische Post - Düsseldorf - 20.12.2007 |
| |
 |
| Der 29-jährige Feuerwehrmann brach sein Schweigen. Wohl auch auf Anraten seiner Anwälte Andreas Kerkhoff (links) und Rüdiger Spormann. |
| RP-FOTO: THOMAS BUSSKAMP |
|
| |
"Retter" muss in Haft |
Mit einer Lebensbeichte vor dem Landgericht sorgte ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr für eine Prozesswende - und bekam als Brandstifter eine milde Strafe |
| VON WULF KANNEGIESSER |
| |
| Monatelang hat er zu allen Vorwürfen geschwiegen. Auch bei Prozessbeginn vor dem Landgericht wegen drei Brandstiftungen ließ der 29-jährige Bürokaufmann die Anklagevorwürfe unkommentiert und breit schmunzelnd im Raum stehen. Ein umfangreicher Indizienprozess mit zahllosen Zeugenaussagen und Gutachtern schien unvermeidlich - als der Angeklagte jetzt plötzlich doch ein Geständnis ablegte. Mehr noch: Er gab eine seiner zentralen Lebenslügen auf, als er gestand, die Prüfung zum Flugzeugpiloten längst versiebt, die Ausbildung abgebrochen zu haben, perspektivlos zu sein. Für seine Familie im Zuschauerraum offepbar eine faustdicke Überraschung. |
|
| Dreimal durch Prüfung gefallen |
|
Seine Mutter soll sogar einen Kredit aufgenommen haben, um dem Sohn diese berufliche Aufstiegschance zu ermöglichen. Dass der 29-Jährige jedoch bei drei Prüfungen bereits durchgefallen ist, damit unwiederbringlich jede Chance auf einen Job im Cockpit verloren hat das haben die Eltern vermutlich nicht mal geahnt. Nur die Freundin des Angeklagten hatte als Zeugin
erwähnt, dass der junge Mann die Ausbildung vermutlich nicht beende wolle. Als der 29-Jährige dann die Wahrheit offenbarte, gab es entsetzte Mienen im Zuschauerraum.
Es tue ihm "alles sehr leid", hat der AIlgeklagte versichert. Und er gab zu, in einer Julinacht in einem Mehrfamilienhaus am pfaffengrund gleich zweifach Feuer gelegt zu haben: Einmal im Keller, was zu einer massiven Rauchentwicklung führte. Und später, als er mit seine Löschkameraden eigentlich zum Retten, Löschen und Bergen vor Ort war, habe er in einer der gerade geräumten Wohnungen nochmal gezündelt. Ein Motiv nannte er dafür aber nicht. Er wisse selbst nicht, was ihn dabei geritten habe.
Laut Anklage soll er kurz zuvor auch vor einem Garagentor am Schwalbenberg gezündelt, die Alarmfahrt des Löschzuges dadurch erst ausgelöst haben - um dann selbst als "Retter" ebenfalls zum Brandort zu eilen. Auf der Rückfahrt zum Gerätehaus sei dann das verqualmte Haus am Pfaffengrund "per Zufall" entdeckt worden, hieß es damals im Einsatzbericht. Diese Version wurde durch das Geständnis des Angeklagten jetzt jedoch zurechtgerückt. Da die Hausbewohner bei dem nächtlichen Einsatz alle unverletzt ins Freie gebracht werden konnten, blieb es auch bei diesem Brand bei Sachschaden. Der Gesamtschaden erreicht aber vermutlich eine sechsstellige Summe - und dafür wird der Angeklagte nach seinem Geständnis aufkommen müssen.
Vorher muss er laut Urteil des Landgerichts wegen der Brandstiftung in der geräumten Wohnung für zweieinhalb Jahre hinter Gitter. Das Verfahren wegen der Brandlegung im Keller stellten die Richter im Hinblick auf die verhängte Strafe ein. Und sie haben den Angeklagten, der bisher nicht vorbestraft war, aus der U-Haft entlassen. Damit hat er nun die Chance, seine persönlichen Verhältnisse bis zum Strafantritt als freier Mann zu klären. |
|
| INFO |
|
| Konsequenzen |
| Vom Löschdienst hatte die Freiwillige Feuerwehr Unterbach den Angeklagten bereits suspendiert, als der erste Verdacht aufkam. Nach der Urteilsverkündung erklärte der Sprecher der Berufsfeuerwehr Hans-Jochen Hermes, man werde nun prüfen, ob der Brandstifter aus der Wehr ganz ausgeschlossen werden kann: "Er hat dort wohl keine Zukunft mehr." |
|
|
|
| Die Versicherung hat die materiellen Schäden in Anke Zöllers Wohnung bezahlt. Aber persönliche Erinnerungsstücke sind unwiederbringlich zerstört.
|
| FOTOS: PRIVAT |
|
|
|
| [ Zurück zum Seitenanfang ] |
|
|
|
|
Copyright by UNTERBACH-ONLINE.DE - 2000-2008 Alle Rechte vorbehalten - all rights reserved |
|